Podcast für digitale Balance
#25 D-DAYS · 8 Kräfte, die uns in den digitalen Sog pushen
(7/8): Leistungsidentität, Sichtbarkeit, Selbstwert · Warum wir ständig am Handy hängen, obwohl ein Teil von uns längst Ruhe sucht, und wie du deinen Wert wieder von der Reichweite löst.
In der aktuellen Folge war Mareike Lehmann zu Gast, und wir haben darüber gesprochen, was ständige Sichtbarkeit mit uns macht. Dieser Beitrag führt den roten Faden weiter, den das Gespräch angerissen hat.
Du erfährst, wie Leistungsidentität als 7. Kraft in den digitalen Sog zieht, warum Likes und Reichweite zur Währung für den eigenen Wert werden, und was hinter dem reflexartigen Griff zum Handy steckt.
Dazu bekommst du zwei Übungen zum Selbermachen, eine digitale Bestandsaufnahme und drei Schritte aus dem inneren Handy-Konflikt, und viele Ideen, wie du dir echte Ruhe schaffst.
Wenn du uns nicht nur hören, sondern auch sehen magst, geht es hier zur Folge bei YouTube.
Eigentlich willst du weniger scrollen. Aber irgendwie passiert es trotzdem wieder: jeden Abend, jeden Morgen und zwischendurch. Ein Verbot oder ein Bildschirmzeit-Limit bringt dich nicht wirklich weiter, sondern erst das Verstehen, warum du überhaupt zum Handy greifst. Hier beginnt der Weg raus aus der Handyfalle.
Dienstags verstehen, donnerstags rausgehen. D-Days for Detox, dein Podcast für digitale Balance.
Heute ist Mareike Lehmann, Expertin für Kommunikation und Konfliktklärung, zu Gast, und wir sprechen ganz offen darüber, was ständige Sichtbarkeit mit unserem Selbstwert macht. Hör gleich rein. ↓
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Im Blog vertiefe ich die 7. Kraft, die Leistungsidentität, mit zwei Übungen zum Selbermachen und allen Quellen zum Nachlesen. ↓
Es gibt diesen einen Moment, den viele von uns kennen. Ein langer, intensiver Tag liegt hinter dir, der Kopf ist voll, der Akku leer. Und was passiert als Erstes? Die Hand greift zum Handy. Nicht, weil du dort etwas Bestimmtes suchst, sondern weil der Griff einfach passiert, bevor du überhaupt nachgedacht hast.
Meine Interviewgästin Mareike Lehmann hat genau das im Podcast beschrieben. Nach einem Workshop, der richtig gut lief, fährt sie auf dem Heimweg kurz an eine Tankstelle, nicht um zu tanken, sondern um zu scrollen. „Was völlig absurd ist“, sagt sie selbst, und trifft damit den Kern dessen, worum es in dieser Folge geht.
Diese Folge ist die 7. von 8 Kräften, die uns in den digitalen Sog ziehen, und sie heißt Leistungsidentität. Im Gespräch mit Mareike haben wir das Thema eher angeschnitten, es ging schnell um Sichtbarkeit, um innere Konflikte, um Ruhe. Deshalb nimmt dieser Blog den roten Faden auf und führt ihn zu Ende.
Du bekommst hier die Mechanik dahinter, zwei Übungen zum Selbermachen und ehrlich eingeordnete Belege. Und weil digitale Balance nie heißt, das Handy zum Bösewicht zu erklären, schauen wir auch auf die andere Seite, auf das, was diese Werkzeuge uns tatsächlich schenken.
Jede der acht Kräfte funktioniert nach demselben Muster. Sie öffnet eine Lücke, und das Handy verspricht, sie zu füllen. Bei der Leistungsidentität ist es die Lücke im Selbstwert.
Leistungsidentität bedeutet, dass dein Wert als Mensch mit dem verschmilzt, was du leistest. Leistung ist dann nicht mehr etwas, das du tust, sondern etwas, das du bist. Und im Digitalen bekommt diese Kopplung eine Bühne, wie es sie vorher nie gab. Denn online lässt sich Leistung in Zahlen ausdrücken, in Likes, Reichweite, Kommentaren, Views. Genau da wird es heikel.
Mareike hat dafür im Gespräch ein Beispiel geliefert, das den Mechanismus fast schmerzhaft klar macht. Sie postet tiefes Fachwissen, echte Konfliktarbeit, etwas, das sie als wertvoll für ihre Community empfindet, und es passiert fast nichts. Dann postet sie beinahe nebenbei, dass sie inzwischen als Mediatorin zertifiziert ist, und dieser Beitrag geht durch die Decke. Der Feed belohnt hier nicht die Tiefe, er belohnt das Statussignal, den erreichten Meilenstein. Das ist Leistungsidentität in ihrer reinsten Form, sichtbar gemacht durch einen Algorithmus.
Und hier beißt sich die Schlange in den Schwanz. Stell dir deinen Selbstwert als Konto vor, und die einzige Währung, in die du einzahlen kannst, sind Likes und Reichweite. Am Anfang fühlt sich das gut an. Du zeigst dich, es kommt Resonanz, das Konto füllt sich. Doch dieses Konto hat einen Haken. Der Kurs schwankt täglich, und du bestimmst ihn nicht. Also schaust du immer öfter nach, ob du gerade noch genug wert bist. Weil die Zahlen nie sicher genug sind, zeigst du dich noch mehr. Je mehr du dich zeigst, desto stärker misst du dich an ihnen. Und je erschöpfter dich das macht, desto häufiger greifst du zum Handy, um kurz aufzutanken, ausgerechnet an der Stelle, die dich leer gemacht hat.
Die Forschung stützt diesen Gedanken. Studien zur bedingten Selbstwertschätzung zeigen, dass Menschen, deren Selbstwert stark an äußere Bestätigung gekoppelt ist, etwa an Aussehen, Wettbewerb oder die Zustimmung anderer, verletzlicher reagieren, wenn diese Bestätigung ausbleibt, und tendenziell anfälliger für depressive Symptome sind (Crocker & Wolfe, 2001).
Denselben Forscherinnen zufolge hat dieses ständige Beweisen einen Preis, für Lernen, Beziehungen, Autonomie und Gesundheit (Crocker & Knight, 2005). Wichtig ist die Nuance: Es geht nicht darum, dass Selbstwert grundsätzlich schadet, sondern darum, woran wir ihn hängen. Ein Selbstwert, der auf inneren Werten ruht, ist deutlich stabiler als einer, der an der Reichweite von gestern hängt.
Der Satz, auf den diese Folge zuläuft, fasst das zusammen: Du bist nicht deine Reichweite, und du bist mehr als dein Output. Die Währung ist nur das Symptom. Die Kopplung ist die eigentliche Kraft.
Eine Währung ist die Einheit, in der wir Wert messen. Und online kippt Sichtbarkeit genau dorthin. Likes, Follower und Views sind zunächst nur Rückmeldung. Doch irgendwann fangen wir an, unseren Wert darin zu messen, und ein Tag mit wenig Reichweite fühlt sich dann an wie ein Tag, an dem man selbst weniger wert war.
Für Selbstständige wirkt das doppelt. Es gibt keine Chefin und kein Gehalt, das „gut gemacht“ sagt. Also werden die Zahlen zur sichtbaren Anzeige, ob man genug ist, und mit dieser Bedeutung sind sie hoffnungslos überladen.
An dieser Stelle lohnt sich Ehrlichkeit, denn die Studienlage ist gemischter, als viele Beiträge glauben machen. Überblicksarbeiten kommen zu widersprüchlichen Ergebnissen, ob Social Media über Vergleichsprozesse dem Wohlbefinden schadet, die Effekte sind oft klein, personenabhängig und an bestimmte Nutzungsweisen gebunden (Meier, kritischer Review 2022).
Es gibt aber wiederkehrende Hinweise in eine Richtung. Eine Tagebuchstudie fand, dass an Tagen mit mehr Social-Media-Nutzung der positive Selbstwert eher sank und der negative eher stieg, vermittelt über Aufwärtsvergleiche (Irmer & Schmiedek, 2023). Und Fachleute weisen darauf hin, dass gerade quantifizierte Kennzahlen wie Likes und Followerzahlen eine vage soziale Stellung in eine harte Zahl übersetzen, was den Vergleich verschärfen kann (Frontiers, 2026).
Kurz gesagt: Der Vergleich macht nicht bei allen dasselbe, aber wenn dein Selbstwert ohnehin an Sichtbarkeit hängt, liefert der Feed rund um die Uhr Material, an dem du dich messen kannst. Und Mareikes Beispiel zeigt die Absurdität dahinter. Der Algorithmus honoriert nicht die Tiefe deiner Arbeit, sondern eher das gut inszenierte Signal. Wer das erkennt, kann anfangen, die Zahl von der eigenen Bedeutung zu entkoppeln.
Eine der stärksten Fragen aus dem Interview war schlicht: An wie vielen Stellen entscheidest du eigentlich, ob und wie du dich online zeigst? Mareike wurde beim Antworten selbst fast schwindlig, und genau das ist der Punkt. Diese Übung kannst du jetzt für dich durchspielen.
So gehst du vor. Nimm dir ein Blatt und schreibe alle Orte auf, an denen du dich online zeigst oder digital Zeit verbringst. Nicht nur die offensichtlichen. Geh ehrlich durch deinen Tag.
Zähl am Ende zusammen, wie viele Stellen es sind. Für viele überschreitet die Liste ein Dutzend, bevor sie über offensichtliche Apps hinaus überhaupt nachgedacht haben.
Was die Übung dir zeigt. Es geht nicht darum, dich zu schocken. Es geht um Sichtbarkeit im doppelten Sinn. Erstens siehst du, wie viel von deinem Leben tatsächlich digital stattfindet, und dass deine gefühlte Bildschirmzeit meist deutlich unter der echten liegt. Zweitens erkennst du, an wie vielen Stellen du dich zeigst, dich also bewertbar machst. Genau diese Klarheit ist der erste Schritt, denn du kannst nur dort bewusst entscheiden, wo du überhaupt hinschaust.
Frag dich danach ruhig weiter: Welche dieser Stellen dienen wirklich mir und meinem Leben, und welche laufen einfach mit?
Zurück zur Tankstelle. Warum fährt ein Mensch nach einem gelungenen Workshop raus, nur um zu scrollen? Mareike sagt selbst, sie kommt dem dahinterliegenden Bedürfnis noch nicht ganz auf die Spur. Aber die Situation an sich erzählt schon viel.
Der reflexartige Griff nach etwas Anstrengendem ist keine Schwäche des Charakters, sondern eine gelernte Gewohnheit. Ein Teil der Erklärung liegt in der Art, wie diese Apps aufgebaut sind. Sie arbeiten mit variablen, unvorhersehbaren Belohnungen. Mal wartet etwas Interessantes, mal nichts, und gerade diese Ungewissheit hält uns bei der Stange.
Dopamin spielt dabei eine Rolle, allerdings anders, als der populäre Satz vom „Dopamin-Kick“ nahelegt. Dopamin begleitet vor allem die Erwartung einer Belohnung, nicht einfach das Vergnügen selbst. Ein Auslöser, etwa Stress, Langeweile oder ein freier Moment, wird so zum Signal, und das Nachschauen läuft irgendwann automatisch ab, oft sogar ohne dass eine Benachrichtigung kommt (Frontiers, Social Rehearsal Account 2018).
Die Vorstellung, das Handy „flute uns einfach mit Dopamin“, greift dabei zu kurz. Realistischer ist: Dein Gehirn hat gelernt, eine unsichere Belohnung zu erwarten, und der Auslöser feuert die Gewohnheit.
Und genau hier liegt das Wertvolle für dich. Dieser Moment, in dem die Hand schneller ist als der Gedanke, ist das deutlichste Zeichen dafür, dass gerade nicht du entscheidest, sondern die Gewohnheit. Nicht du greifst zum Handy, „es greift nach dir“. Wenn du anfängst, diese Momente bewusst zu bemerken, den Griff im Auto, auf dem Sofa, im Aufzug, dann hast du den Autopiloten ertappt. Und was du ertappst, kannst du verändern.
Ein befreiender Nebeneffekt: Es ist tröstlich zu wissen, dass dieser Sog absichtlich in die Systeme hineinprogrammiert wurde. Das entbindet dich nicht von der Verantwortung, nimmt dir aber die Schuld. Es liegt nämlich nicht an einer vermeintlichen Schwäche oder mangelnder Disziplin. Und trotzdem bleibst du die Person, die den nächsten Griff wählen kann.
Mareike stellt sich im Gespräch eine kluge Frage, die sie offenlässt: Welches Gefühl suche ich auf Social Media, und welches Bedürfnis will ich stillen? Sie sagt ehrlich, dass sie es noch nicht genau weiß. Genau da kann dieser Blog eine Landkarte anbieten, ganz ohne Ferndiagnose, denn die Antwort ist bei jedem Menschen anders.
Hinter dem Griff zum Handy steckt fast immer ein echtes Bedürfnis. Bei vielen sind es diese:
Die gute Nachricht steckt in Mareikes eigener Formulierung, die aus der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg stammt: Gefühle und Bedürfnisse sind nicht verhandelbar, aber der Weg zum Bedürfnis ist es sehr wohl. Wenn dein Bedürfnis Ruhe ist, dann ist Ruhe gesetzt. Verhandelbar ist nur, wie du sie dir holst.
Und hier liegt der zentrale Trugschluss: Viele glauben, sie bekämen durch Social Media Ruhe. Tatsächlich ist Scrollen Beschäftigung, keine Ruhe. Der Kopf bekommt neuen Input, statt zur Ruhe zu kommen. Sobald du den Griff zum Handy als das lesen kannst, was er oft ist, ein missverstandener Versuch, ein echtes Bedürfnis zu stillen, kannst du dich fragen: Was brauche ich hier eigentlich wirklich, und gibt es einen Weg, der es tatsächlich erfüllt?
Mareike hat im Gespräch drei Schritte geteilt, mit denen sie selbst an diesen inneren Konflikt herangeht. Sie kamen im Fluss des Interviews vor, deshalb hier klar aufbereitet, damit du sie dir einprägen und ausprobieren kannst.
Schritt 1: wertfrei beobachten. Werde zum Forscher in eigener Sache. Statt dich zu verurteilen, „schon wieder so lange drin“, schaust du neutral hin: Wie oft habe ich heute zum Handy gegriffen, wie lange war ich drin, in welchen Momenten? Sobald du wertest, wirst du hart mit dir, und Härte erzeugt Widerstand. Dieses neutrale Hinschauen kommt aus der Gewaltfreien Kommunikation, und es ist zugleich der Kern meiner eigenen Methode „Sehen, was IST“. Erst beobachten, dann verstehen, dann klar Stellung beziehen. Nicht andersherum.
Schritt 2: Erlauber-Sätze statt Verbote. Das klingt paradox, ist aber entscheidend. Der Satz „Heute gehe ich nicht ans Handy“ ist ein inneres Verbot, und Verbote erzeugen genau den Reiz, den sie verhindern wollen. Mareike beschreibt es treffend: Die Tage, an denen sie sich das Handy verbietet, sind oft die mit der meisten Bildschirmzeit. Ersetze das Verbot durch Erlaubnis: „Ich erlaube mir, ans Handy zu gehen. Und ich entscheide bewusst, ob ich reingehe und wie lange.“ Das holt die Entscheidung zurück zu dir, statt dich in einen Kampf mit dir selbst zu schicken.
Schritt 3: den Impuls aussprechen und den Raum nutzen. Wenn der Griff kommt, benenne ihn: „Ich habe gerade den Gedanken, ich müsste ans Handy.“ Ein Gedanke ist erst einmal nur ein Gedanke, und schon ist der Reiz ein Stück neutralisiert. In diesem kurzen Moment entsteht Raum, und in diesem Raum kannst du fragen: Will ich das wirklich? Oft lautet die Antwort dann nein.
Zu diesem dritten Schritt gehört ein bekannter Gedanke, der gern Viktor Frankl zugeschrieben wird: „Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht, die Reaktion zu wählen.“
Der Ehrlichkeit halber: In genau diesen Worten findet sich das Zitat in Frankls Werken nicht, populär gemacht hat es Stephen Covey, der die Quelle selbst nie belegen konnte (Quote Investigator). Der Gedanke dahinter ist aber zutiefst franklsch. Seine Logotherapie kreist um die Freiheit, die eigene Haltung und Antwort zu wählen, selbst unter schwersten Bedingungen. Für unseren Alltag heißt das: Zwischen dem Auslöser und dem automatischen Griff liegt ein kleiner Spalt, und dieser Spalt lässt sich üben und weiten. Er ist der Ort, an dem aus Reflex wieder Wahl wird.
Der reflexartige Griff verrät oft ein Bedürfnis nach Ruhe. Also lohnt es sich, genauer hinzuschauen, was Ruhe für dich eigentlich ist. Denn die ist nicht für alle dasselbe.
Das zeigt sogar die größte internationale Befragung zum Thema. Beim sogenannten Rest Test, an dem rund 18.000 Menschen aus mehr als 130 Ländern teilnahmen, standen Lesen, in der Natur sein und Zeit für sich ganz oben, viele der erholsamsten Tätigkeiten macht man allein (Rest Test, Hubbub und BBC). Vor allem aber gilt, was die Leiterin der Studie betont: Was den einen entspannt, erschöpft die andere. Joggen kann sich für einen Menschen erholsam anfühlen und für den nächsten anstrengend. Ruhe ist individuell, und deshalb lohnt sich die Frage: Was ist Ruhe für mich?
Mareike hat dafür wunderbare eigene Antworten gefunden. Der Wald. Ein Fluss, an dem sie sitzt und fließendes Wasser sieht, für sie fast wie eine Mediation. Das Klavier, bei dem sie in eine andere Welt abtaucht. Das Töpfern, bei dem sie in den Flow kommt und Raum und Zeit vergisst. Diese Beispiele haben etwas gemeinsam. Sie beschäftigen nicht den Kopf mit neuem Input, sie lassen ihn zur Ruhe kommen oder in einen kreativen Fluss finden. Für dich kann Ruhe genauso vieles sein: ein Spaziergang ohne Handy, barfuß über den Rasen, ein Buch, Gartenarbeit, ein Instrument, Handarbeit, ein Bad, bewusstes Nichtstun, ein kurzer Moment mit geschlossenen Augen.
Bleibt der schwierigste Teil, und den hat das Gespräch offen angesprochen: Der Knackpunkt ist immer der Moment, es auch zu tun. Von „es brummt nur so im Kopf“ zu „komplette Stille“ führt kein harter Schnitt. Wer nach einem vollen Tag die Augen zumacht und Ruhe befiehlt, wird oft unruhig, weil der Kopf einfach weiterrennt. Ruhe braucht meist einen Übergang, kein Kommando.
Drei Dinge helfen dabei.
Das Energie-Tank-Experiment. Statt dir vorzunehmen, „ab jetzt nicht mehr scrollen“, machst du daraus einen einzelnen Versuch. Beim nächsten Mal, wenn du nach einem langen Tag heimkommst und abschalten willst, sagst du dir: Ja, es ist anstrengend, jetzt loszugehen, aber es wird mir guttun. Dann gehst du, an den Fluss, in den Wald, in den Garten. Und danach achtest du bewusst darauf, wie es dir geht. Wie voll ist dein Tank? Bist du aufgedreht, wach, lebendig? Sobald du diesen Unterschied ein paarmal am eigenen Körper gespürt hast, den Unterschied zwischen einem Abend am Handy und einem Abend im echten Leben, brauchst du keine Willenskraft mehr, um dich zu überzeugen. Die Erfahrung überzeugt dich.
Und noch etwas Entlastendes zum Thema Pause. Der Rest Test zeigt auch, dass Menschen, die genug Ruhe finden, ein deutlich höheres Wohlbefinden berichten, und die Ergebnisse räumen ausdrücklich mit der moralischen Gleichsetzung von Ruhe und Faulheit auf (Ergebnisse des Rest Test). Pause ist kein Zurückfallen. Pause ist Auftanken.
Es gibt ein Bedürfnis, das unter all dem liegt, und Mareike hat es im Gespräch auf den Punkt gebracht: Jeder Mensch will wirksam sein, handlungsfähig bleiben. Und wir nehmen uns diese Handlungsfähigkeit ein Stück weit, indem wir uns fremdsteuern lassen.
Sie hat das an einem Bild festgemacht, das hängen bleibt. Wir sagen der digitalen Stimme, sie soll leiser machen. Der Rasenmäher fährt vorprogrammiert seine Bahnen. Der Staubsauger weiß von allein, wo er saugt. Bequem, keine Frage. Aber Stück für Stück geben wir kleine Handlungen ab, und mit ihnen die kleinen Momente, in denen das Leben passiert. Den Geruch von frisch gemähtem Gras. Den Blick durch die eigene Wohnung, der plötzlich Lust auf eine neue Ecke macht. Das Selbermachen, in dem man kreativ und im Augenblick bleibt.
Ich habe im Gespräch ergänzt: Es geht nicht nur ums Handlungsfähig-, sondern ums Im-Leben-Bleiben. Gerade im Business sind wir lange digital unterwegs, sitzen Stunden vor Bildschirmen. Umso mehr zählt jede kleine Handlung, die uns zurück ins Spürbare holt. Das ist keine Technikfeindlichkeit. Es ist eine bewusste Entscheidung, sich das Handeln nicht komplett abnehmen zu lassen, weil genau dort ein Teil der Lebenskraft wohnt.
Digitale Balance hieße nichts, wenn wir das Digitale nur verteufeln würden. Deshalb gehört die andere Seite fest dazu, und Mareike hat sie selbst stark gemacht.
Wir hatten noch nie so viel Möglichkeit, sichtbar zu sein wie heute. Das ist eine echte Chance. Man kann sich ausprobieren, die eigene Positionierung schärfen, herausfinden, zu welchem Thema man steht. Man kann direkt mit potenziellen Kundinnen in Kontakt treten, netzwerken, schnell und unkompliziert. Für Mareike ist Social Media bewusst nicht der Ort, an dem der Selbstwert entschieden wird, sondern ein Werkzeug, das ihr hilft, ihre Themen greifbar zu machen und auf ihre Website zu verweisen. Und genau in dieser Haltung liegt der Unterschied.
Die entscheidende Frage lautet: Was ist mein Zweck? Solange das Werkzeug einem klaren Ziel dient, arbeitet es für dich. Sobald die Zahl selbst zum Ziel wird, kippt es, und du arbeitest für das Werkzeug. Werkzeug oder Falle entscheidet sich nicht am Gerät, sondern an der Frage, wer den Takt bestimmt.
Zwei ehrliche Grenzen gehören dazu, weil sie sonst leicht untergehen. Erstens: Für Selbstständige verschwindet der Druck nicht völlig, denn ein Teil der Sichtbarkeit trägt real das Business. Es geht nicht darum, so zu tun, als gäbe es keinen Druck, sondern ihn bewusst zu dosieren, statt ihn den Takt bestimmen zu lassen. Zweitens: Wer wirklich am Ende der Kraft ist, braucht echte Erholung, nicht nur eine neue Sichtweise. Und Vorsicht, dass „mehr Balance“ nicht selbst zum nächsten Optimierungsprojekt wird, das man auch wieder perfekt hinbekommen muss. Balance ist kein Wettbewerb. Sie ist eine Erlaubnis und Bewusstsein.
Wenn du bis hierher gelesen hast, siehst du vielleicht klarer, warum wir ständig am Handy sind, obwohl ein Teil von uns längst Ruhe möchte. Nicht aus Schwäche. Sondern weil eine gelernte Gewohnheit auf ein echtes Bedürfnis trifft, und weil das Digitale gelernt hat, unseren Selbstwert an Zahlen zu koppeln, die uns nicht gehören.
Der Ausweg ist kein Verzicht aus Härte. Er ist ein Zurückholen der Wahl. Beobachte, ohne zu werten. Erlaube dir das Handy und entscheide bewusst. Nutze den kleinen Raum zwischen Reiz und Reaktion. Und frag dich bei den vielen „ich muss“: Willst du das eigentlich wirklich? Damit das, wofür du dich zeigst, wieder wirklich deines ist.
Denn am Ende geht es nicht um weniger Handy als Verzicht, sondern um mehr echtes Leben als Gewinn. Ein Leben, das es wert ist, gelebt zu werden. Du bist nicht deine Reichweite. Du bist mehr als dein Output.
Wenn du das nicht nur lesen, sondern erleben möchtest, begleite ich dich sieben Tage lang mit dem Workbook „Bewusst Offline! 7 Tage Social Media Detox“, einen bewussten, machbaren Weg zurück zu dir. Und wenn du erst einmal reinschnuppern willst, komm zur kostenlosen Open-Door-Session.
Ein herzliches Dankeschön an Mareike Lehmann für dieses offene Gespräch. Wer die inneren wie die zwischenmenschlichen Konflikte klären möchte, im Team oder mit sich selbst, findet in ihr eine echte Expertin für Kommunikation und Konfliktklärung. Sie ist als Coachin, Mediatorin und Keynote-Speakerin buchbar, alle Kontaktinfos findest du hier:
Über meine Gästin:
Mareike Lehmann ist Expertin für Kommunikation und Konfliktklärung. Als systemische Coachin, Mediatorin und Keynote-Speakerin begleitet sie Unternehmen, Führungskräfte und Teams. Buchbar für Coaching, Mediation und Keynotes.
Und du? Welcher Moment ist bei dir der reflexartige Griff, und was, glaubst du, suchst du dort eigentlich? Schreib es dir auf. Das Aufschreiben ist schon der erste kleine Schritt.
Wenn du den ersten Schritt aus dem digitalen Sog gemeinsam mit mir gehen willst, bist du in der Open Door Session zu meinem Workbook „Bewusst Offline“ herzlich willkommen.
Komm am 23. September 2026 um 20:00 Uhr in die Open Door live Session: Dein Ausgang aus der digitalen Welt. In diesem kostenlosen Zoom-Raum steigen wir gemeinsam in Tag 1 deines Detox ein, entspannt und ohne Druck.
Du erlebst, wie Selbstreflexion zu deinem stärksten Hebel wird und machst den ersten Schritt aus dem digitalen Sog raus.
Natürlich nicht allein, sondern mit mir und einer Gruppe von Menschen, die dasselbe suchen wie du. Echte Freiheit von den Zwängen, die uns Algorithmen auferlegen, und in der Folge auch echte Verbindung im echten Leben. Die Plätze sind begrenzt, also sichere dir deinen.
Mach aus dem digitalen Sog deine Erfolgsgeschichte. Es geht nicht um Verzicht, sondern um die Rückgewinnung von Freiheit, echter Verbindung und echtem Wachstum.
Dein nächster Schritt
Wenn „so weitermachen wie bisher“ für dich keine Option ist, dann schaue dir deine Handynutzung genau an.
Die entscheidenden Stellschrauben liefert dir das Workbook „Bewusst Offline: 7 Tage Social Media Detox”. Es führt dich durch einen Prozess von sieben Tagen. Nicht mit Verboten und Zeitlimits, sondern mit Tests, Beobachtungen und Fragen, die dich zu deinen eigenen Antworten bringen.
Du legst frei, was hinter deinen Handygewohnheiten steckt. Nicht als Theorie, sondern in dem Moment, in dem du zum Handy greifst.
So gestaltest du Schritt für Schritt deine selbstbestimmte Handynutzung und entscheidest in Zukunft selbst, wann das Smartphone in deine Hand gehört, damit du mehr vom echten Leben hast.
Du bestimmst das Tempo. Die sieben Tage sind deine Begleiter.
Life Coach für digitale Balance und persönliche Entwicklung
Alwina Simon ist Life Coach für digitale Balance und persönliche Entwicklung. Mit D-Days for Detox begleitet sie Menschen auf dem Weg raus aus dem Algorithmus-Loop, rein in die Präsenz, zurück ins echte Leben. Jeden Dienstag und Donnerstag als Podcast auf wowsessions.de.
Website: wowsessions.de Kontakt: office@wowsessions.de
Der 7-Tage Social Media Detox und die Inhalte der WOW Sessions ersetzen keine Therapie oder psychologische Beratung. Manche Themen oder persönliche Entwicklungsprozesse können tiefe Emotionen berühren. Bei starken emotionalen Belastungen, Suchtverhalten oder psychischen Erkrankungen suche bitte professionelle Hilfe auf. Die Inhalte hier sind ein Einstieg in Selbstreflexion und persönliches Wachstum, aber kein medizinisches oder therapeutisches Programm.
Du willst tiefer gehen?
Wer sich selbst besser kennen möchte – nicht nur kognitiv, sondern wirklich – dem empfehle ich zwei Wege:
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Weil echter Selbstkontakt erst entsteht, wenn der digitale Lärm verstummt.
📖 G.DANKE erzählt die Geschichte meiner persönlichen Entwicklungsreise.
Vom ersten Synchronizitäts-Erlebnis bis zu den Antworten, die ich fand.
Vielleicht findest du darin auch Antworten für deine eigene Reise.
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