WOW Sessions

WOW Sessions - Life Coaching und Podcast für persönliche Entwicklung & digitale Balance | WOW Sessions

Podcast für digitale Balance

#7 D-DAYS · Vergleich, Verlustangst, Zugehörigkeit. Diese Folge zeigt dir, woran du das schale Gefühl nach dem Scrollen erkennst und wie du es auflöst.

Warum du dich nach dem Scrollen oft schlechter fühlst als vorher

In dieser Folge geht es um ein Gefühl, das fast jeder kennt, aber kaum jemand benennt, das schale Gefühl nach dem Scrollen. Du erfährst, woran du es an deinen Gefühlen und Gedanken erkennst, warum es absolut menschlich ist es zu spüren, und wie daraus wieder mehr echtes Leben werden kann. Den Namen des Gefühls verrate ich erst am Ende, denn das Erkennen ist der eigentliche Schlüssel.

Wenn du dich also schon oft gefragt hast, warum dich Social Media manchmal leerer zurücklässt, statt dich zu erfüllen, dann lohnt es sich, dranzubleiben.

Alwina Simon - live am Podcast Set - Wow Sessions - D-Days for Detox - Digital Detox

Eigentlich willst du weniger scrollen. Aber irgendwie passiert es trotzdem wieder: jeden Abend, jeden Morgen und zwischendurch. Ein Verbot oder ein Bildschirmzeit-Limit bringt dich nicht wirklich weiter, sondern erst das Verstehen, warum du überhaupt zum Handy greifst. Hier beginnt der Weg raus aus der Handyfalle.

Dienstags verstehen, donnerstags rausgehen. D-Days for Detox, dein Podcast für digitale Balance.

Du fühlst dich nach dem Scrollen oft schlechter und weißt nicht warum? In dieser Folge lüfte ich, was wirklich dahintersteckt, den Namen verrate ich erst ganz am Ende. Hör rein. ↓

Wie erkennst du dieses Gefühl an deinen Emotionen und Gedanken, und wie wird aus der Angst, etwas zu verpassen, die Freude am echten Leben? Die Zusammenhänge zum Nachlesen und Vertiefen. ↓

Das schlechte Gefühl nach dem Scrollen, und was wirklich dahintersteckt

Eben warst du noch mittendrin, in den Bildern, den Stories, den Leben der anderen, jetzt legst du das Handy weg. Aber gleich, ein paar Sekunden später, ist da dieses diffuse Gefühl aus Minderwertigkeit, Einsamkeit, Unzufriedenheit, Unruhe oder Erschöpfung. Es ist schwer zu greifen, aber es geht dir eindeutig schlechter als vorher und es ärgert dich, macht dich rastlos.

Wie eine schale Note, die du dir kaum erklären kannst, klebt es an dir, obwohl doch eigentlich nichts passiert ist. Du hast nur gescrollt.

Dieser Beitrag handelt davon, warum man sich nach Social Media schlechter fühlt als vorher.

Wichtig: Den Namen dieses komplexen Gefühls, verrate ich erst ganz am Ende. In dem gesamten Beitrag geht es hauptsächlich darüber, woran man es erkennt. Denn das Erkennen dieses Gefühls ist der eigentliche Schlüssel, der Name allein hilft dir nicht weiter.

Und natürlich geht es nicht nur ums Erkennen, sondern auch ums Verändern, um das Lösen! 

Steige also in die Tiefe, auch wenn es zwischendurch vielleicht etwas unbequem wird. Es lohnt sich. Denn am Ende wirst du für jemanden einen echten Unterschied machen können. Dann warten zwei Perspektiven als Handreichungen auf dich.

Ein Blick in mein Podcaststudio im Garten
Ein Blick in mein Podcaststudio im Garten

Warum man sich nach Social Media schlechter fühlt

Fangen wir bei der Frage an, die sich so viele Menschen stellen, ohne eine Antwort zu finden. „Warum fühle ich mich nach dem Scrollen oft schlechter, nicht besser?“

Die Antwort liegt in einem feinen Widerspruch, einer Nichtübereinstimmung, die kaum bemerkt wird.

Während du durch die Feeds gleitest, vergleichst du. Unbewusst, automatisch, in Millisekunden.

Du siehst Ausschnitte, die andere Menschen sorgfältig ausgewählt oder gar kuratiert haben. Es sind ihre besten Momente, ihre schönsten Orte, ihre lebendigsten Abende, ihre kreativsten Aktionen, ihre lustigsten Ideen, ihre Highlights des Monats oder des Jahres (nicht unbedingt des Alltags). Und dein Gehirn legt diese Hochglanzmomente neben dein eigenes, ganz normales Leben.

Einen ganz gewöhnlichen, unspektakulären Alltagsmoment findest du da vermutlich nicht und wenn, dann scrollst du dran vorbei. Was soll daran auch spannend sein, davon hast du selbst ja schon genug. Und genau hier entsteht die Diskrepanz, also der Widerspruch. Denn dein Gehirn legt diese Hochglanzmomente neben dein eigenes, ganz normales Leben.

Dieser Vergleich kann selten gut für dich ausgehen. Du stellst die Höhepunkte hunderter Menschen gegen deinen ganz gewöhnlichen Dienstagabend. Und am Ende bleibt ein Gefühl zurück, das fast jeder kennt, aber kaum jemand benennt, eine diffuse Unzufriedenheit kehrt ein.

„Macht Social Media also unglücklich?“

Nicht direkt. Aber es kreiert den Rahmen für die innere Unzufriedenheit, denn es industrialisiert den Vergleich, und der Vergleich macht unzufrieden. Dich mit anderen zu vergleichen ist das, was dich innerlich zerreibt.

Als wäre das nicht schon genug, reiht sich eine zweite Frage ein.

„Warum fühle ich mich trotz ständiger Vernetzung einsam oder unzufrieden?“

Weil das, was du online bekommst, dein eigentliches, menschliches Bedürfnis nur kurz berührt, aber nie stillt.

Lass das mal kurz wirken: Ein menschliches Bedürfnis wird berührt, aber nicht gestillt. Das ist, als stünde man draußen vor der Schaufensterscheibe und würde in den Bonbonladen gucken, ohne auch nur eine dieser Leckereien zu bekommen.

Ein Like fühlt sich an wie Zuwendung.
Ein Kommentar fühlt sich an wie Verstandenwerden.
Eine Online-Community fühlt sich an wie Dazugehören.

Aber dein Körper kennt den Unterschied. Er erwartet einen echten Blickkontakt, der wirklich in deine Augen schaut. Er erwartet Wärme, die durch die Haut geht, ganz zu schweigen von der echten Berührung, die Vertrauen weckt.

Die digitale Connection, die du erlebst, bleibt jedoch in Pixelform, und Pixel sind Pixel. Sie sind noch nicht mal Fast-Food-Kategorie, sie sättigen in keiner Form.

Deshalb fühlst du dich danach oft leerer oder einsamer als vorher. Dein Inneres hat Nähe gewittert, aber keine bekommen. Die Bonbons durftest du dir nur von außen ansehen, gewiss nicht selbst im Mund zergehen lassen.

Woran du es bei dir selbst erkennst

Das Gefühl, von dem ich spreche, ist ein komplexes Gefühl, das wie ein Cocktail aus verschiedenen Zutaten besteht. Es lohnt sich, die fünf wichtigsten zu kennen, denn sie zeigen jeweils ein anderes Bedürfnis in dir.

  1. Da ist zuerst die innere Unruhe. Wie ein Sog zum Handy, ein Drang, immer wieder nachschauen zu müssen, jede Stille sofort mit dem Handy zu füllen. Sie verweist auf dein Bedürfnis nach Ruhe, Muße und Präsenz, einfach im Moment sein zu dürfen.
  2. Dann kommt der Neid, oft so fein, dass du ihn gar nicht bemerkst. Ein kleiner Stich beim Anblick der Highlights anderer, während du dich unwillkürlich mit ihnen vergleichst.
    „Ach, wäre ich doch aus so…“ „Hmm, hätte ich doch auch das…“ „Wieso hat sie so ein Glück!“

Er verweist auf deine Selbstachtung.

  1. Die Einsamkeit und die Traurigkeit kommen, nachdem du das Handy weggelegt hast. Dieses leere Gefühl, das bleibt, wenn ein Like sich kurz wie Zuwendung anfühlt, aber keine echte war. All das verweist auf dein Bedürfnis nach echter Verbundenheit und Nähe.

Dann ist da noch die Angst. Doch sie hat zwei Gesichter.

  1. Das eine ist eine diffuse Verunsicherung, der Drang, alles mitbekommen zu müssen, um die Lage im Griff zu behalten. Sie verweist auf dein Bedürfnis nach Sicherheit.
  2. Das andere Gesicht der Angst ist die Sorge, ausgeschlossen, vergessen oder übergangen zu werden und nicht mehr dazuzugehören. Sie verweist auf dein tiefstes Bedürfnis nach Zugehörigkeit.

Diese fünf Gefühle sind die ehrlichsten Boten, die du hast, und sie werden gleich zu deinen stärksten Verbündeten.

Was deine Gedanken über deine Werte verraten

Es gibt noch ein zweites, sehr verlässliches Erkennungszeichen dafür, warum du dich nach Social Media schlechter fühlst, es sind deine Gedanken!

Zu jedem dieser fünf Gefühle gehört ein Satz, den du dir in solchen Momenten innerlich sagst.

  1. Zur Unruhe gehört: „Ich kann nie eine Pause machen, denn dann zieht etwas Spannendes an mir vorbei. Pause machen ist verlorene Zeit, da verpasse ich etwas.“
  2. Zum Neid gehört: „Alle anderen haben viel mehr Spaß und ein aufregenderes Leben als ich. Ich genüge nicht.“
  3. Zur Einsamkeit gehört: „Ich muss überall erreichbar sein, mich sofort melden oder immer reagieren, damit man mich mag.“
  4. Zur Verunsicherung gehört: „Ich muss alles mitbekommen, sonst verliere ich die Kontrolle.“
  5. Und zur Angst vor dem Ausschluss gehört: „Ich muss immer dabei sein. Wenn ich nicht dabei bin, werde ich vergessen und gehöre nicht mehr dazu oder verliere den Anschluss an die Gruppe.“

Fällt dir etwas auf?

Diese Sätze sind alle absolut formuliert: Immer. Alle. Überall. Nie. Muss. Sofort.

Das ist das sichere Erkennungszeichen eines Glaubenssatzes, er lässt keine Grauzone zu.

Und wie auch schon deine Emotionen, sind auch diese Glaubenssätze wichtige Hinweise über dich selbst, denn hinter jedem dieser Gedanken steckt ein Wert, der dir wichtig ist.

Satz 1 (innere Unruhe oder fehlende Pause) meldet sich, weil du dich nach Ruhe und Muße sehnst. Nach echter Präsenz.

Satz 2 (Vergleich oder Neid) meldet sich, weil dir deine Selbstachtung wichtig ist.

Satz 3 (Einsamkeit oder Traurigkeit) meldet sich, weil dir deine Verbundenheit mit anderen Menschen wichtig ist.

Satz 4 (Verunsicherung oder Kontrolle) meldet sich, weil es hier um deine Sicherheit geht.

Satz 5 (Ausschluss) zeigt dir, dass dir Zugehörigkeit sehr wichtig ist.

Ruhe, Muße, Präsenz, Selbstachtung, Verbundenheit, Sicherheit und Zugehörigkeit, das sind die Werte, um die es hier geht.

Doch die Glaubenssätze, die du in deinem Kopf wiederholst, behaupten, dass diese Werte in Gefahr seien.

Und im gleichen Zug verspricht dir jeder Satz, dass dein Handy dir genau diesen Wert sichert.

„Bleib am Handy dran, dann gehörst du dazu.“

„Schau im Handy nach, dann verpasst du nichts.“  

Aber in Wirklichkeit passiert das Gegenteil. Je öfter du dem Satz folgst und zum Handy greifst, desto weiter entfernst du dich von dem Wert, den du eigentlich erfüllt haben willst.

Erinnerung: Ein menschliches Bedürfnis wird berührt, aber nicht gestillt. Der Glaubenssatz ist eine Lüge, die sich als Lösung verkleidet.

Doch die vermeintliche Lösung ist wie das Schaufensterglas des Bonbonladens, das dich von dem Erleben der Süßigkeiten trennt.

Und genau deshalb kommt jetzt der Teil, der dich abholen darf und dir die Tür zum Bonbonladen öffnet. Lass uns die Lügen nehmen und sie in Wahrheiten verwandeln.

Wie es in der Praxis aussieht

Warum willst du über alles Bescheid wissen, alles im Blick haben, genau wissen, dass du nichts verpasst? Eben gerade, weil du etwas sehr Wichtiges verpasst, nämlich in der Gegenwart zu sein, den Moment wirklich wahrzunehmen, dir den Raum zu geben einfach zu sein.

Das klingt paradox, ist aber sehr simpel zu verstehen. Während du damit beschäftigt bist, über alles Bescheid zu wissen, alles im Blick zu haben, damit dir nichts entgleitet oder entgeht, bist du in Check-Listen, auf allen möglichen Kanälen und in dauerhafter Beschäftigung unterwegs, weil du dich um alles Mögliche kümmern musst, um das Gefühl zu haben, die Kontrolle zu bewahren, aber das was du in diesem Dauer-Tun verpasst, ist das Leben selbst. Du funktionierst rund um die Uhr, aber du lebst nicht.

Das, was sich hier zurecht meldet, ist das Bedürfnis nach der Verankerung in der Gegenwart, im Leben selbst oder ganz simpel gesagt: Zu leben, statt zu funktionieren.

Und dass es dir fehlt, zeigt die Einsamkeit, die du spürst, wenn du aus dem digitalen Raum in das Hier und Jetzt wechselst. Weißt du noch, das Beispiel mit der Einsamkeit und wie sie einen plötzlich übermannt? Da bleibt man doch besser beschäftigt, als dass man Einsamkeit erlebt, oder? Oder? …

ODER! Du checkst ein in der Präsenz und zwar so richtig. Achtsam in dem Moment zu sein, bedeutet die Verbundenheit mit dem Leben selbst zu spüren. Du nimmst dich darin wahr, fühlst quasi den Puls des Lebens und merkst, dass du darin alles andere als einsam bist.

Und was die Verbundenheit zu anderen Menschen angeht. Du ahnst es vielleicht schon, dass du den sogenannten „Anschluss an die Gruppe“, nicht in Chats und Channels findest, sondern innerhalb echter Beziehungen zu echten Menschen.

Um den Kontrast einmal an einem echten Beispiel zu verdeutlichen: Jeder kennt weitergeleitete WhatsApp-Posts, die einen „Guten Morgen“ mit einer abgebildeten Kaffeetasse oder Blumen wünschen, oder solche, die „Hurra, endlich Freitag“ jubeln.

Damit wünschen wir einander zwar etwas Schönes, aber stell dir vor, du hättest solch einen Gruß persönlich bekommen, statt ihn als einen weitergeleiteten, anonymen Post von TikTok zu sehen. Solche kleinen Gesten wollen wir im echten Leben erleben, nicht als fremdes Bild in einem digitalen Kanal.

Probiere das nächste Mal, wenn du einen solchen Gruß absenden willst, einfach eine persönliche Sprachnachricht und ein echtes Bild von dir aus deinem Leben zu schicken. Das wäre zumindest echter, statt fremden Content weiterzuleiten.

Aber weißt du, was du dir eigentlich wünschst? Du möchtest die Person in echt sehen, sie umarmen und ihr deine guten Wünsche persönlich überbringen. Das machst du vielleicht nicht jeden Freitag, aber an dem Freitag, an dem es passiert, lädst du dich und den anderen Menschen mit so viel Energie auf. Dieses Gemeinschaftsgefühl kann kein Post je erreichen.

Warum das völlig menschlich ist

Dieses unbequeme Gefühl in dir, der Cocktail aus innerer Unruhe, Neid, Angst und Einsamkeit, ist tatsächlich ein ganz natürliches Gefühl und sogar ein sehr wertvolles.

Es ist seit Urzeiten tief in der Evolution des Menschen verwurzelt, das gibt es nicht erst seit es Handys gibt. Denn über Hunderttausende von Jahren war der Mensch ein Stammeswesen. Und wer vom Stamm getrennt wurde, allein auf sich gestellt war, war in Lebensgefahr.

Deshalb sitzt in uns ein uraltes Alarmsystem, das sofort anschlägt, sobald wir das Gefühl bekommen, die anderen erleben gerade etwas gemeinsam, und wir sind nicht dabei, wir sind ausgeschlossen. Dieses Alarmsystem hat unsere Vorfahren am Leben gehalten. Es ist das, was uns zusammengehalten hat.

Dazu kommt eine Eigenheit unseres Gehirns, die alles erklärt. Die Forschung der Psychologen Daniel Kahneman und Amos Tversky deutet darauf hin, dass Verluste uns ungefähr doppelt so stark treffen wie gleich große Gewinne uns erfreuen.

Weiterführende Literatur: Kahneman, D. und Tversky, A. (1979): Prospect Theory, An Analysis of Decision under Risk. Econometrica 47, Seiten 263 bis 292. Allgemeinverständlich nachzulesen bei Daniel Kahneman, Schnelles Denken, langsames Denken, Siedler Verlag 2012. Buch beim Verlag.

Etwas zu verpassen, schmerzt uns mehr, als etwas Schönes zu erleben uns guttut. Die Angst, etwas zu verpassen, ist also lauter als die Vorfreude, etwas zu erleben.

Und genau hier setzen Social-Media-Plattformen an. Sie sprechen dieses uralte Alarmsystem im Sekundentakt an.

Jede Benachrichtigung, jeder rote Punkt und jede neue Story flüstert dir zu: „Da passiert gerade etwas ohne dich!” Die Verlustangst ist quasi industrialisiert.

Das ist digitale Narkose in Reinform, ein künstlicher Reiz, der ein echtes Bedürfnis simuliert und es dadurch betäubt, statt es zu nähren.

FOMO - Der Name dieses Gefühls

Du ahnst es längst. Dieses Gefühl, das dich treibt, nachzuschauen, das dich nach dem Scrollen leerer zurücklässt, das aus Vergleich Unzufriedenheit macht und aus Vernetzung Einsamkeit, hat einen Namen, und zwar einen merkwürdigen.

Es heißt FOMO. Das ist die Abkürzung für Fear of Missing Out. Die Angst, etwas zu verpassen.

Und jetzt schauen wir genauer hin. Denn FOMO ist nicht das, was es vorgibt zu sein. Es tut so, als ginge es um Erlebnisse, um Veranstaltungen, um Informationen. In Wahrheit geht es um etwas viel Tieferes. FOMO ist die digitale Verzerrung unseres tiefsten Bedürfnisses dazuzugehören. Im Kern ist es nicht die Angst, ein Event zu verpassen.

Es ist die Angst, nicht dazuzugehören, nicht gesehen zu werden, nicht sicher zu sein im Kreis der anderen.

Und damit kippt die ganze Sache. Denn wenn das stimmt, dann ist das, wonach du dich wirklich sehnst, gar nicht weit weg. Es sitzt am selben Tisch. Es liegt im selben Bett. Es wartet in dem Gespräch, das du unterbrichst, um aufs Handy zu schauen.

Die Wende, von FOMO zu JOMO

Wenn FOMO die Angst ist, etwas zu verpassen, dann ist die Gegenbewegung die Freude daran, ganz bewusst etwas zu verpassen. Im Englischen heißt das JOMO. Joy of Missing Out.

Ich lege bei JOMO jedoch den Fokus nicht auf das „Verpassen“, sondern gerade auf das Erleben! Die Freude am Präsentsein! Die Freude daran, wirklich da zu sein, wo du gerade bist. Nicht als Verzicht, sondern als bewusste Entscheidung fürs echte Leben.

Es geht dabei also nicht darum, auf etwas zu verzichten oder dir etwas wegzunehmen, sondern dir etwas zurückzugeben.

Während du aufhörst, online hundert fremder Leben zu beobachten, gewinnst du dein eigenes zurück, weil du dich deinem Leben zuwendest.

Während du ein Online-Event auslässt, bist du ganz da in dem Hier und Jetzt, bei den Menschen direkt bei dir. Du verpasst tatsächlich etwas, nur eben nicht das, was wirklich Gewichtung in deinem Leben hat.

Denn warum ist dieser Shift zu JOMO so wichtig?

Es gibt eine Erkenntnis aus der Harvard-Langzeitstudie, an der ich mich immer wieder orientiere. Mit mehr als achtzig Jahren Forschung legt sie nahe, dass nicht die Menge an Kontakten ein Leben gesund und glücklich macht, sondern die Qualität weniger echter Beziehungen. 

Offizielle Seite der Harvard Langzeitstudie.

FOMO jagt der Masse hinterher. Überall dabei sein, alles mitbekommen.
JOMO entscheidet sich für die Tiefe. Ein langes, direktes, echtes Gespräch, statt fünfzig Stories.

Die 5 FOMO-Ketten

Bevor wir zu den zwei Perspektiven kommen, hier alles auf einen Blick. Die fünf FOMO-Ketten zeigen dir, wie ein Gefühl über ein Verhalten am Handy und einen Glaubenssatz auf einen deiner Werte führt, und welche Bewegung dich wieder herausführt. Du musst dich in nicht jeder wiederfinden. Schau, welche Kette sich für dich am wahrsten anfühlt.

Nr.

Gefühl

Mechanismus am Handy

Glaubenssatz

Wert

Aktion in den positiven Zustand

1

Innere Unruhe

Jede Stille sofort mit dem Handy füllen, ständig checken, nie abschalten

„Pause machen ist verlorene Zeit, im Stillstand verpasse ich etwas.“

Ruhe, Muße, Präsenz im Moment

Innehalten und im Jetzt ankommen, die Stille aushalten, statt sie zu füllen

2

Neid

Sich beim Scrollen mit den Highlights anderer vergleichen

„Alle anderen haben ein besseres Leben. Ich genüge nicht.“

Selbstachtung

Sich selbst so gut kennen und achten, dass kein Vergleich den eigenen Wert bestimmt

3

Einsamkeit, danach Traurigkeit

Zuwendung in Likes und Kommentaren suchen, digitale Reaktion statt echter Begegnung

„Ich muss erreichbar sein und reagieren, damit man mich mag.“

Verbundenheit, Nähe

Echte Begegnung suchen, in wenige tiefe Beziehungen investieren, ein Gespräch statt fünfzig Stories

4

Angst als Verunsicherung

Alles mitbekommen wollen, Nachrichten und News ständig checken, um die Kontrolle zu behalten

„Wenn ich nicht alles mitbekomme, verliere ich die Kontrolle.“

Sicherheit

Den Halt nach innen verlegen, darauf vertrauen, dass nichts Wesentliches verloren geht, wenn ich loslasse

5

Angst vor Ausschluss

Ständig dabei und erreichbar sein, sofort reagieren, um nicht den Anschluss zu verlieren

„Wenn ich nicht dabei bin, werde ich vergessen und gehöre nicht mehr dazu.“

Zugehörigkeit

Verlässliche Nähe leben und geben, spüren, mein Platz ist sicher, auch wenn ich nicht ins Handy schaue

Zwei Perspektiven als Handreichungen

Hier sind die beiden bereits angekündigten Perspektiven, je nachdem, wo du gerade stehst.

Perspektive eins

Die erste Perspektive richtet sich auf jemand anderen, falls du jemanden kennst, auf den die zuvor genannten Erkennungszeichen von FOMO zutreffen.

Die innere Unruhe, das ständige zum Handy Greifen, die leise Unzufriedenheit, Unsicherheit oder Sorge, ausgeschlossen zu sein, nicht dazuzugehören.

Wenn das so ist, dann musst du diesen Menschen nicht aufklären, noch nicht mal etwas ansprechen. Beginne stattdessen ganz sachte, fast unmerklich, genau das in eure Beziehung zu bringen, was innerlich stärkt. Echte Aufmerksamkeit. Ehrliches Interesse, einen Blick, der wirklich sieht, ein Dabeisein, das nichts will, außer gerade jetzt präsent mit der anderen Person zu sein.
Verlässliche Nähe, die von sich aus gegeben wird und bleibt, ohne dass die andere Person etwas dafür tun muss.

Du gibst diesem Menschen damit still und leise das zurück, wonach FOMO eigentlich sucht, das Gefühl, sicher dazuzugehören. Das wirkt tiefer als jeder gut gemeinte Rat.

Und an der Stelle trotzdem ein Rat von mir: Mach es einfach. Kündige es nicht an, mache keine Versprechungen. Komm nicht mit einer Rettungsweste um die Ecke, mach es einfach von jetzt auf gleich, aber dafür ab jetzt jeden Tag, ein kleines bisschen und dann immer etwas mehr.

Und wenn du willst, dann beobachte, was mit dem Menschen passiert, und bade selber in dem Gefühl von Zusammengehörigkeit. Das ist Verbundenheit.

Perspektive zwei

Die zweite Perspektive ist für dich selbst, wenn du dich in den Zeichen von FOMO selbst wiedererkannt hast.

In einem einzigen Satz steckt der Kern von allem, merk ihn dir gut.

Bei FOMO wird dein Wert abhängig davon, was die anderen erleben und online zeigen.

Und das ist, als könntest du nur glücklich sein, wenn draußen die Sonne scheint.

Ich selbst habe diese Erkenntnis in meinem eigenen persönlichen Prozess einst von dem Meditationslehrer und Headspace-Mitgründer Andy Puddicombe gelernt. Das war vielleicht ein Augenöffner damals.

Er nutzt dafür ein wunderbares Bild.

„Dein innerer Frieden ist wie der blaue Himmel. Er ist immer da, auch wenn Wolken ihn zeitweise verdecken. Und die Wolken, das sind deine Gedanken und Gefühle, die kommen und gehen.“

Genau diese Haltung beschreibt er auch in seinem sehenswerten TED-Talk: einen Schritt zurückzutreten und die Gedanken einfach kommen und gehen zu lassen. Denn, so Puddicombe sinngemäß, es ist der sicherste Weg, Glück nie zu finden, wenn man es außerhalb von sich selbst sucht, als hinge es von etwas anderem ab. Je mehr wir es im Außen jagen, desto weiter entfernen wir uns davon.

Dein Wert hängt also nicht davon ab, was im Feed passiert, sondern was in dir passiert. Der blaue Himmel ist immer da, auch hinter den Wolken.

Die Wende, von FOMO zu JOMO

Zum Schluss möchte ich dir noch einen Impuls mitgeben.

Wenn du das nächste Mal zum Handy greifst, halte einen Moment inne und frage dich, was suche ich gerade wirklich? Nicht, welche Information. Sondern welches Gefühl.

Will ich gesehen werden?
Will ich dazugehören?
Will ich der Stille entkommen?

Und dann, ganz ohne Druck, fragst du dich weiter: Wo in meinem echten Leben könnte ich genau das finden?

Wie kann ich mir am besten Ruhe und Präsenz geben?
Welchen Weg gehe ich, um meine Selbstachtung zu stärken?
Mit welchen Menschen kann ich Verbundenheit spüren?
Was gibt mir im Zusammensein mit anderen Sicherheit und Zugehörigkeit?

Du musst nichts ändern. Es reicht, dass du es bemerkst, denn Bewusstsein ist der erste Schritt zurück zu dem, was für dich wirklich zählt. Und ich wette, es ist nicht weiterhin so viel Handy, sondern endlich mehr echtes Leben.

Dein nächster Schritt, wenn du wirklich loslassen willst

Diese Folge war das Erkennen, der Anfang. Wenn du jetzt spürst, dass du nicht nur verstehen, sondern wirklich in deinen eigenen Prozess einsteigen willst, dann ist mein Workbook Bewusst Offline, sieben Tage Social Media Detox, dein Begleiter.

Es führt dich sieben Tage lang Schritt für Schritt durch genau diesen Prozess. Nicht mit Verboten und Zeitlimits, sondern mit Fragen, die dich zu deinen eigenen Antworten bringen. Du findest heraus, welcher Wert gerade nach dir ruft, welche Gewohnheit dich im Autopiloten am Leben vorbeirauschen lässt und wie du Stück für Stück aus der Angst, etwas zu verpassen, in die Freude am echten Leben findest.

Du bestimmst das Tempo.

Wer spricht hier?

Profilbild von Mentorin und Life Coach Alwina Simon von 2023

HI, ICH BIN ALWINA

Life Coach für digitale Balance und persönliche Entwicklung

Über die Autorin

Alwina Simon ist Life Coach für digitale Balance und persönliche Entwicklung. Mit D-Days for Detox begleitet sie Menschen auf dem Weg raus aus dem Algorithmus-Loop, rein in die Präsenz, zurück ins echte Leben. Jeden Dienstag und Donnerstag als Podcast auf wowsessions.de.

Kontakt

Website: wowsessions.de Kontakt: office@wowsessions.de

Disclaimer

Der 7-Tage Social Media Detox und die Inhalte der WOW Sessions ersetzen keine Therapie oder psychologische Beratung. Manche Themen oder persönliche Entwicklungsprozesse können tiefe Emotionen berühren. Bei starken emotionalen Belastungen, Suchtverhalten oder psychischen Erkrankungen suche bitte professionelle Hilfe auf. Die Inhalte hier sind ein Einstieg in Selbstreflexion und persönliches Wachstum, aber kein medizinisches oder therapeutisches Programm.

L·O·V·E·D

Fünf Podcast-Formate. Ein Ziel: zurück zu dir selbst.

Deine nächsten Schritte

Du willst tiefer gehen?

Wer sich selbst besser kennen möchte – nicht nur kognitiv, sondern wirklich – dem empfehle ich zwei Wege:

🌊 Bewusst Offline! Starte deinen 7-Tage Social Media Detox mit dem Workbook.
Weil echter Selbstkontakt erst entsteht, wenn der digitale Lärm verstummt.

📖 G.DANKE erzählt die Geschichte meiner persönlichen Entwicklungsreise.
Vom ersten Synchronizitäts-Erlebnis bis zu den Antworten, die ich fand.
Vielleicht findest du darin auch Antworten für deine eigene Reise.

Höre die Wow Sessions direkt hier oder auf:

💌 Bleib verbunden

Gewinne deinen Fokus zurück – Mail für Mail

Der Waverider Newsletter bringt dir Impulse für mehr Bewusstsein, weniger Ablenkung und echte Selbstkenntnis.

Join the Dance

The Song is humanity