Offen gesprochen · Über Gott und die Welt
O-8 · Die Vater-Tochter-Beziehung · Über Vater-Wunden, Ermächtigung und die Frage, die kein Kind laut stellt
Es gibt Sätze, die liest man und schließt sie sofort wieder, weil sie zu nah kommen. Dieses Zitat ist so ein Satz für mich gewesen:
„Selbstwert (…) ist kein Geschenk des Mannes an seine Frau. Man muss ihn sich unerlaubt nehmen, und zwar vom Vater und ihn dann verteidigen gegen jedermann.“
— Sigrid Steinbrecher, Die Vaterfalle
Wenn du es liebst, Dinge zu hinterfragen, und offen bist für wahre Begebenheiten, mit denen du nicht rechnest, dann weißt du genau weshalb du an Bord von Flug MA-282 gehst!
Hier hörst du: Offen gesprochen über Gott und die Welt mit Michela Straub und Alwina Simon.
Diese Folge lässt sich nicht zusammenfassen. Sie lässt sich nur hören ↓
Lies weiter – und geh tiefer rein ↓
„Selbstwert (…) ist kein Geschenk des Mannes an seine Frau. Man muss ihn sich unerlaubt nehmen, und zwar vom Vater und ihn dann verteidigen gegen jedermann.“
— Sigrid Steinbrecher, Die Vaterfalle
Es war Juli 2019 und dieser Satz hat mich seitdem nicht losgelassen.
Unerlaubt nehmen. Als wäre es ein Akt der stillen Rebellion. Als würde man nachts etwas mitnehmen, das einem eigentlich immer schon gehört hat. Und vielleicht ist es genau das.
Ich habe diesen Satz zum ersten Mal gelesen, als ich mich mit einem Artikel über Vater-Tochter-Beziehungen beschäftigte. Es war Juli 2019 und ich war auf einer persönlichen Spurensuche, die mich nicht losgelassen hat. Der Artikel „Wie Väter ihre Töchter prägen“ (deutschlandfunkkultur.de) spiegelte mir mein eigenes, widerspenstiges Thema: meine Vater-Tochter Beziehung, oder wie man sagt, die Vater-Wunde.
Die Psychoanalytikerin Verena Kast formuliert es in etwa so: Wenn eine Frau eine nahe Beziehung zum Vater hatte, weiß sie, wie die Welt funktioniert. Sie weiß, wer sie ist. Weil sie etwas in sich trägt, das sich kaum benennen lässt, aber überall spürbar ist: ein stilles Grundvertrauen in die Welt und in die eigene Zugehörigkeit zu ihr. Die innere Gewissheit, ihren Platz darin zu haben, ohne ihn täglich neu beweisen zu müssen.
Väter öffnen die Welt. Sie werfen ihre Kinder höher in die Luft als Mütter – unerschrockener, gewagter. Sie zeigen damit: Du kannst fallen. Und ich fange dich. Sie regen Neugier an, geben Impulse, machen Mut. Sie sind oft die erste Begegnung eines Kindes mit dem, was „draußen“ wartet – mit Anforderung, mit Abenteuer, mit der Frage: Bin ich gut genug für die Welt?
Und wenn ein Vater das vermittelt – bewusst oder unbewusst – dann trägt eine Tochter diese Antwort ein Leben lang in sich: Ja. Du bist gut genug.
Doch dieser Satz hat eine Kehrseite.
Was passiert, wenn der Vater nicht da war? Wenn er körperlich anwesend, aber emotional abwesend war? Wenn er so viel Raum einnahm, dass für die Tochter keiner blieb – oder so wenig, dass sie sich fragte, ob sie überhaupt existiert?
Forschung und Psychoanalyse sind sich einig: Die Vater-Tochter-Beziehung prägt ein Leben lang. Die Botschaften des Vaters wirken nach – seine Verhaltensmuster, seine Glaubenssätze, seine Art, auf die Tochter zu schauen oder eben nicht zu schauen.
Und wenn das „Werfen in die Luft“ fehlt – oder in einer Form kommt, die das Kind nicht tragen kann – dann hinterlässt das Spuren. Spuren, die sich nicht immer als Schmerz zeigen. Manchmal zeigen sie sich als Strategie.
Ich gefalle, also bin ich. Sie lernt früh, dass ihre Existenz an Zustimmung geknüpft ist. Sie wird zur Meisterin darin, zu spüren, was andere brauchen – und vergisst dabei, was sie selbst braucht.
Ich bin erfolgreich, also bin ich. Sie ersetzt Zugehörigkeit durch Ergebnisse. Solange sie leistet, fühlt sie sich sicher. Aber was passiert, wenn sie einmal nicht liefert?
Ich spüre Widerstand, also bin ich. Sie definiert sich über Abgrenzung. Gegen den Vater, gegen die Erwartungen, gegen das System. Was wie Stärke wirkt, ist oft der Versuch, eine Wunde nicht spürbar werden zu lassen.
Ich war eine Mischung davon. Und ich habe lange gebraucht, das zu erkennen.
Das Tückische an diesen Mustern: Sie funktionieren. Zumindest eine Weile. Sie helfen dem Kind, sich in einer Welt zurechtzufinden, in der etwas Wesentliches fehlt. Aber irgendwann – oft erst im Erwachsenenalter – beginnen sie einen Preis einzufordern. Beziehungen, in denen man immer gefällt, aber nie wirklich gesehen wird. Karrieren, die glänzen, aber innerlich leer lassen. Abgrenzungen, die schützen, aber auch isolieren.
War ich es nicht wert, dass du bleibst?
Diese Frage stellen sich viele Töchter im Erwachsenenalter – aber die wenigsten sprechen sie aus. Weder dem Vater gegenüber noch sich selbst. Es ist verständlich, dass diese Frage stumm bleibt, denn wer sie ausspricht, muss anerkennen, dass da eine Wunde ist. Und Wunden schmerzen – auch ohne, dass man sich ihrer bewusst ist.
Mein Vater und ich waren einmal sehr eng. Doch dann kam die Scheidung, und dann hat er das Land verlassen. Die meiste Zeit meines Lebens habe ich ihn eigentlich nicht gekannt. Ich hatte das kognitiv längst verarbeitet, hatte Vergebungsprozesse gemacht, hatte gelernt zu verstehen.
Und trotzdem: Wenn ich bestimmte Szenen von Vätern und ihren Kindern erlebe, ergreife ich die Flucht, wenn ich kann.
Martin Kolodziej, Teil meines Podcast-Formats, liefert mir ständig Beispiele einer wundervollen Vater-Sohn-Beziehung. Jedes Mal, wenn er von seinem Vater erzählte, zwickte es in der Brust oder die Tränen ließen mich abrupt verstummen. Wer derart körperlich reagiert, weil ein Thema triggert, hat noch eine offene Wunde.
Und genau das ist so wundervoll an unseren versteckten Themen. Der Körper, das Verhalten, das getriggert sein liefern immer zuverlässig Hinweise darauf, dass es einen Entwicklungsschritt zu gehen gibt.
Denn gerade unsere sogenannten „Schattenthemen“, sind unser größtes Wachstumspotenzial.
Im Februar 2026 landete ich also, ohne es geplant zu haben, wieder mitten in meinem Thema – das mich bereits zu viel gekostet hat.
Michela Straub, meine Co-Hostin, hatte etwas in einer meiner Sprachnachrichten gehört. Etwas, das sie nicht loslassen konnte. Und so begann ein Gespräch, das mich – ohne Ankündigung, ohne Vorbereitung – in eine Podcast-Folge führte, die ich so nicht kommen sah.
Was daraus entstand, war kein geordnetes Gespräch. Es war ein Coaching-Prozess. Live, ungefiltert, mitten im Aufnehmen. Und mittendrin tauchte die Frage auf, die ich nie laut gestellt hatte.
Was Michela in dieser Folge mit mir erarbeitet hat, war das, wofür keine kognitive Erkenntnis allein reicht: das emotionale Durcharbeiten. Kein „die Geschichte umschreiben“, kein „vergeben und vergessen“, sondern verstehen. Mit dem ganzen Körper und der Seele durchdringen.
Am Ende dieses Gesprächs kam ein Wort zurück, das mich zuvor sofort in Widerstand versetzt hatte: Ermächtigung.
Ich mochte das Wort Macht nicht. Es klingt nach Kontrolle, nach Herrschaft, nach etwas, das mir jemand wegnimmt, oder das ich über andere ausübe. Aber Michela hat mir gezeigt: Macht ist neutral. Ein Messer kann töten und kann Leben retten. Es kommt darauf an, wer es hält – und wie.
Selbstwert nehmen, wie Sigrid Steinbrecher es beschreibt – unerlaubt, und zwar vom Vater – das ist kein Akt der Aggression. Es ist der Moment, in dem man aufhört zu warten. Aufhört, darauf zu warten, dass der Vater es einem endlich gibt. Dass er kommt. Dass er versteht. Dass er sieht, wer man geworden ist.
Er muss das nicht sehen. Und er kann es vielleicht nicht sehen. Und gleichzeitig hat das mit mir nichts zu tun.
An diesem Tag bin ich aus Michelas Coaching herausgegangen und hatte den direkten Beweis, dass sich meine Wunde geschlossen hatte.
Wenn du ehrlich zu dir bist, dann spürst du: Niemand wird dir deinen Wert bestätigen, wenn du ihn selbst nicht kennst oder in dir kultivierst. Kein Partner, kein Kind, kein Kollege wird dir sagen können, welchen Wert du hast.
Diese Arbeit, den eigenen Wert zu erkennen, gehört dir allein und sie findet in dir statt.
Wenn du erkennst, wie dich deine Vaterbeziehung geprägt hat, ob durch Nähe oder durch Abwesenheit, durch Überwältigung oder durch Gleichgültigkeit, dann beginnt eine der tiefgreifendsten Formen von Selbstkenntnis, die ich kenne. Dann beginnst du zu erfahren, was du daraus machst.
Dann gehst du den Weg deines inneren Wachstums. Und siehst irgendwann, was in dir gewachsen ist – gerade, weil es nicht einfach war.
Denn umso größer der Schmerz – umso größer das Potenzial.
Empowerment-Coach & Intuitions-Trainerin
Freigeist, Rebellin, und vor allem Menschenliebhaberin – mit diesem Dreiklang beschreibt Michela Straub ihr Wesen. Die lebenslustige und lebensweise Frau geht Ihrer Berufung als Empowerment-Coach und Intuitions-Trainerin in ihrer Praxis in Landsberg am Lech nach. Sie gibt den Menschen im Gespräch wieder ihr Herz an die Hand, so dass sie sich in angemessener und bewusster Weise für ein neues Handeln entscheiden können. Das ist Glück und Freiheit.
„Die Michela leuchtet, wenn’s dunkel wird“, beschreibt sie ein Lehrmeister.
HI, ICH BIN ALWINA
Life Coach für persönliche Entwicklung & digitale Balance
Alwina Simon ist Life Coach für persönliche Entwicklung und digitale Balance. Mit der Diagnose Burnout stellte sie sich ihren eigenen Themen und erkannte: Social Media ist der perfekte Fluchthelfer – vor Stress, vor Konflikten und vor den eigenen Schattenthemen. Wer sich selbst nicht begegnen will, findet im Scrollen immer einen Ausweg.
Genau deshalb beginnt die Reise bei ihr mit Digital Detox und führt dann dorthin, wo die persönliche Entfaltung beginnt.
Du willst tiefer gehen?
Wer sich selbst besser kennen möchte – nicht nur kognitiv, sondern wirklich – dem empfehle ich zwei Wege:
🌊 Bewusst Offline! Starte deinen 7-Tage Social Media Detox mit dem Workbook.
Weil echter Selbstkontakt erst entsteht, wenn der digitale Lärm verstummt.
📖 G.DANKE erzählt die Geschichte meiner persönlichen Entwicklungsreise.
Vom ersten Synchronizitäts-Erlebnis bis zu den Antworten, die ich fand.
Vielleicht findest du darin auch Antworten für deine eigene Reise.
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The Song is humanity
